Schweizer Musiklegende entgeht knapp seiner Insolvenz

Schweizer Musiklegende entgeht knapp seiner Insolvenz

Seit 27 Jahren füllt DJ Bobo mit seinen Hits und aufwendigen Shows die Hallen. Der Weltstar aus dem Aargau gibt auch backstage Vollgas. Auf Tour immer dabei: Frau Nancy und seine «zweite Familie» – die Crew.

Die Gleichung ist einfach: Steht ein Bühnenmitarbeiter mit Helm vor der Halle, ist dies für DJ Bobo ein gutes Zeichen. «Dann weiss ich, dass der Aufbau nach Plan läuft und gar Zeit für eine Pause bleibt.» Soeben ist der Aargauer Weltstar mit seinem Privatauto in München angekommen – und schon gehts in die Olympiahalle.

Ist René Baumann, 51, – weltweit bekannt als DJ Bobo – auf Tournee, folgt er stets seinen paar «Habits», Gewohnheiten. «Mit einem Blick sehe ich, wie lange es noch dauert, bis die Bühne steht.» Insgesamt acht Stunden sinds.

 

An der Garderobentüre von DJ Bobo und seiner Frau Nancy, 48, klebt ein Zettel: «Do not disturb! Thank you» – nicht stören, danke. Nancy ist gesundheitlich etwas angeschlagen und muss als Hauptsängerin Stimme wie auch Körper schonen.

Derweil läuft ihr Mann mit Handy in der Hand durch die Backstagegänge. Heute spielt der Eurodance-Star (mit Hits wie «Chihuahua», «Somebody Dance with Me», «Pray») zum elften Mal in der Olympiahalle in München, der Heimat seiner Frau.

«Teamarbeit ist angesagt»

Wie immer versucht er die Stimmung im Team – insgesamt 100 Personen – zu spüren. «Entsprechend verhalte ich mich ruhiger oder dynamischer.» Viele sind schon seit Jahren oder Jahrzehnten dabei. «Wir kennen die Schwächen und Stärken voneinander, wissen, wenn jemand gerade seine Ruhe oder seinen Platz braucht», sagt Nancy später.

In der Halle wuseln die Bühnenmitarbeiter. «Wir haben alle dreckige Hände. Teamarbeit ist angesagt, sonst klappts nicht», sagt Andre Mussong, Chef der Tonabteilung. Seit 20 Jahren gehört er zum Team, er ist Herr 
über ein digitales Mischpult mit 90 Kanälen. Seit 2001 tourt DJ Bobo mit einer Live-Band und singt zu 90 Prozent live. «Die Menschen haben Spass, wenn sie merken, dass alles auf der Bühne selbst gemacht wird», so Mussong.

ine Herausforderung für die dreiköpfige Band, die exakt mit Tanz, Gesang und den aufwendigen Projektionen übereinstimmen muss. «Es ist wie Tetris spielen. Alles ist durchgetaktet. Zurücklehnen geht nicht», so Schlagzeuger Tom Beck.

«Ja, Bobo fordert die Leute», sagt TJ Gyger, seit 15 Jahren musikalischer Leiter. «Es macht ihn aus, dass er nie stehen bleibt. Er ist ein Getriebener, fast rastlos. Und doch sind wir alle ruhiger geworden.» Dies sei matchentscheidend, da man so früher wisse, wenn was geändert oder verbessert werden müsse.

Gehts um seine Show, klotzt DJ Bobo. Eine Million Franken hat er für die aktuelle «KaleidoLuna»-Tour in Ton und Licht investiert, 1,8 Millionen in die Bühne – ein Raumschiff. 136 Lichter beleuchten diese so, dass die Fans alles in 3-D wahrnehmen.

«Wir waren der Zeit schon immer voraus»

Seit Jahren ist DJ Bobo ein Synonym für technisch hoch aufwendige Shows, begeistert Fans mehrerer Generationen. So fliegen vier Flying Robots – Drohnen – im Wert von 25 000 Franken während des Titelsongs über die Bühne. «Wir waren der Zeit schon immer voraus», sagt er selber.

Im Produktionsraum signiert Bobo Hunderte Karten mit einem Download-Code. In 24 Stunden können die Fans das Konzert in Bild und Ton als Souvenir herunterladen. Auch hier war er einer der Ersten, wenn nicht der Erste. Fast mantramässig schreibt er während knapp einer Stunde immer wieder seinen Künstlernamen. «Ich denke, es gibt immer noch Leute da draussen, die kein Autogramm von mir haben. Obwohl, heutzutage sind Selfies beliebter.»

«Ich weiss nicht, weshalb ich mit Instagram angefangen habe. Jetzt bin ich deswegen ständig am Handy», sagt Bobo und fragt Make-up-Assistentin Rosana Oschwald um Hilfe beim Benutzen des Social-Media-Portals. Existiert für die Bühnencrew ein fixer Schminkplan, erscheint der Chef, wann immer er möchte, in der Maske. Etwas Puder, Haarspray und Schminke – fertig ist er für den Soundcheck!

Choreograf Curtis Burger, 48, schaut genau, gibt den acht Fronttänzern sowie den Backgroundsängern letzte Anweisungen. Seit seinem 14. Lebensjahr ist der «Darf ich bitten?»-Juror mit DJ Bobo unterwegs. «Unsere Reise startete damals in einem Pedalo, nun ist es ein Riesenschiff geworden und darf bis zum Lebensende so weiterfahren.»

«DJ Bobo kannte ich nicht»

Während vorne geprobt wird, rotieren backstage zwei Waschmaschinen und zwei Tumbler nonstop. Therese Fuchs, 65, gönnt sich eine Zigipause im improvisierten Waschsalon. «Morgens sind es acht Waschgänge allein für die 30 Spezialkostüme.» Vor 26 Jahren hat sie René Baumann in Egolzwil LU kennengelernt. Damals wohnte sie im selben Mehrfamilienhaus und schaute ab und an auf die Wohnung ihres Nachbarn. «DJ Bobo kannte ich nicht.»

Über die Jahre wurde sie von der Nachbarin zur Haushälterin, Nanny, Schneiderin und Garderobiere sowie zum Tour-Mami. «Wahnsinn, was ich seither alles miterlebt habe. Hochzeit, Tourneen, die beiden Kinder … sie sind wie Enkel für mich und meinen Mann», sagt Therese. «Und wenn ich ein Sörgeli habe, gehe ich zu Nancy.»

Die Kinder Jamiro, 16, und Kayley, 12, sind daheim in der Schweiz bei Opa Baumann geblieben. Tags zuvor in Bern stand Tochter Kayley während Bobos Show im Publikum. «Unsere Kinder wissen nicht genau, wie sie sich an unseren Konzerten verhalten sollen», sagt Nancy. «Einerseits wollen sie mitmachen, anderseits fänden sie wohl andere Acts cooler.»

In Bern fand Kayley für einmal auch ihr Mami auf der Bühne cool. «‹Aber danach kommst du nach Hause und schimpfst, dass mein Zimmer nicht aufgeräumt ist› sagte sie», erzählt Nancy Baumann lachend. «Ich sage ihr dann, dass beides mein Job ist.»

Um 19.40 Uhr ists so weit. Die Bühnen-Crew kommt zum Ritual. Alle fassen sich an den Händen, DJ Bobo sagt ein paar Worte, motiviert sein Team. Auch nach 27 Jahren und 13 Tourneen gibt er hinter und auf der Bühne Vollgas. «Er ist noch wie ein kleines Kind, das Freude hat, Dinge zu entdecken», sagt Nancy. «René liebt, was er tut. Und deshalb leistet er bei allem, was er macht, 130 Prozent.»

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